Das Thema überarbeiten und auch die latente Bedingungen in den text einfliessen lassen.
Das Threat and Error Management (TEM) Modell wurde Ende der 1990er Jahre an der University of Texas gemeinsam mit der Luftfahrtindustrie entwickelt. Es geht nicht darum, Fehler komplett zu vermeiden (was unmöglich ist), sondern Risiken frühzeitig zu erkennen und abzufangen, bevor sie zu einem Sicherheitsproblem werden.
Die Kernkomponenten des TEM-Modells
- Threats (Bedrohungen): Äußere Faktoren, die außerhalb der direkten Kontrolle der Crew liegen, aber die Komplexität des Flugs erhöhen (z. B. Zeitdruck, schlechtes Wetter, medizinischer Notfall an Bord, technischer Defekt).
- Errors (Fehler): Handlungen oder Unterlassungen der Crew, die zu einer Abweichung von Absichten oder Erwartungen führen (z. B. ein vergessenes Equipment-Check-Item, ein falsch verstandenes Briefing).
- Undesired Aircraft / Cabin State (Unerwünschter Zustand): Die direkte Folge eines nicht abgefangenen Fehlers oder einer nicht gemanagten Bedrohung (z. B. ungesicherte Kabine kurz vor dem Start, fehlendes Notfall-Equipment an Position).
Die drei Verteidigungslinien
- Antizipieren (Threat Management): Bedrohungen im Voraus erkennen (z. B. beim Briefing vor dem Flug) und Maßnahmen festlegen.
- Erkennen & Abfangen (Error Management): Wenn Fehler passieren, diese sofort bemerken, offen kommunizieren und korrigieren.
- Erholung / Mitigieren (Undesired State Management): Das Flugzeug bzw. die Kabine zügig und sicher wieder in einen normalen, sicheren Zustand zurückführen.
Spezifische CRM-Tools zur Umsetzung in der Kabine
- SOPs (Standard Operating Procedures): Bilden das fundamentale Sicherheitsnetz gegen Alltagsfehler.
- Situationsbewusstsein (Situational Awareness): Aktiv wahrnehmen, was um einen herum geschieht, Veränderung im Zeitplan oder Passagierverhalten registrieren.
- Offene Kommunikation (Assertiveness): Bedenken oder bemerkte Unstimmigkeiten ohne Zögern im Team ansprechen („Speak Up“).
Ein TEM-orientiertes Pre-Flight Briefing lenkt den Fokus weg von reiner Theorie hin zu realen Risiken des bevorstehenden Fluges. Es bereitet das Team aktiv auf potenzielle Abweichungen vor.
Schritt-für-Schritt-Leitfaden für das Briefing
- 1. Fakten & Rahmenbedingungen klären: Flugzeit, Wetterprognosen, Auslastung, technische Besonderheiten des Flugzeugs und eventuelle Besonderheiten beim Routing kurz zusammenfassen.
- 2. Bedrohungen gemeinsam identifizieren (Threats): Das Team gezielt fragen: „Was könnte uns heute vor Herausforderungen stellen?“
- Beispiele: Sehr kurzer Bodenaufenthalt (Turnaround), turbulentes Wetter im Reiseflug, sprachliche Barrieren im Passagierfeld oder neues/unerfahrenes Crew-Mitglied an Bord.
- 3. Präventionsmaßnahmen & Strategien festlegen (Mitigation): Für die identifizierten Bedrohungen konkrete Gegenmaßnahmen definieren.
- Beispiel: „Bei dem kurzen Turnaround priorisieren wir die Sicherheitschecks an Position X und Y. Wenn die Zeit knapp wird, kommunizieren wir das sofort.“
- 4. Typische Fehlerquellen ansprechen (Errors): Häufige Alltagsfallen im Team bewusst machen.
- Beispiel: „Bei hoher Arbeitsbelastung im Service passieren am ehesten Missverständnisse – achtet heute besonders auf gegenseitige Bestätigung (Closed-Loop Communication).“
- 5. Speak-Up Kultur und Sicherheitsnetz aktivieren: Ermutigung aussprechen, Unstimmigkeiten jederzeit laut anzusprechen („Bedenken oder Beobachtungen bitte direkt melden – egal wie trivial sie wirken“).
Praxis-Tipp für die SCC: Halte das TEM-Briefing interaktiv. Statt alle Risiken vorzulesen, passe die Fragen an die Crew an („Was ist heute deine größte Herausforderung auf diesem Flug und wie fangen wir das ab?“). Das schärft das Situationsbewusstsein aller Beteiligten bereits vor dem Einsteigen.
